Finanzen und Business

Egal wie gut man ist, wenn es keiner weiß, hilft es einem nicht weiter

Autor: Meet Your Master
Egal wie gut man ist, wenn es keiner weiß, hilft es einem nicht weiter

Sandra Navidi im Interview zum Thema Netzwerken

von Laila Weigl

MEET YOUR MASTER
Unternehmerin, Finanzexpertin und Juristin: Sandra Navidi hat es allen gezeigt. Lerne von ihr, wie du deinen ganz eigenen Weg gehen kannst.
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Sie ist Rechtsanwältin, Profi-Netzwerkerin, Finanz-Insiderin, deutsche Bestseller-Autorin und Gründerin ihrer Beratungsfirma „BeyondGlobal“. Ihr Netzwerk ist gigantisch, ihre Karriere bewundernswert, ihre Worte inspirierend. Doch auch Sandra Navidi hat mal klein angefangen. Im Interview mit MYM-Autorin Laila Weigl erzählt sie von der Basis des Netzwerkens, warum Frauen schmerzfreier werden müssen und was wir von ihrem Kurs erwarten dürfen.

Wir bei MYM behaupten, man lerne von den Besten Ihres Fachs. Das sind Sie zweifelsohne. Inwiefern hat Netzwerken dazu beigetragen, so erfolgreich zu werden?

Das Netzwerk gibt letztendlich den Ausschlag, doch auch ich musste mir erstmal ein Netzwerk aufbauen. Es liegt in der Natur der Sache: Jeder arbeitet gerne mit Leuten, die man mag und denen man vertraut. Natürlich bekommt im Zweifel eher der Bewerber den Zuschlag, mit dem man bereits vernetzt ist.

Haben Sie also Glück gehabt und die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt getroffen?

Als ich damals nach New York kam, kannte ich niemanden. Ich hatte weder eine große „Netzwerk-Expertise“, noch eine Netzwerk-Strategie: Ich habe einfach drauf los genetzwerkt. Das war nicht immer einfach und anfangs habe ich mich auch häufiger einsam gefühlt, aber irgendwie muss man ja anfangen. Und auch: Egal wie gut man ist, wenn es keiner weiß, hilft es einem nicht weiter. Damit hilft das Netzwerken einem auch, bekannter zu werden und sich zu positionieren.

Wie haben Sie begonnen Ihr Netzwerk aufzubauen?

Ich habe Einladungen angenommen, auch wenn das Event vielleicht nicht immer meinen Interessen entsprach oder ich keine Lust hatte. Sobald man sich ein Anfangs-Netzwerk aufgebaut hat, sollte man wählerischer werden und mit seiner Zeit sparsamer umgehen. Vernetzen sollte man sich zwar „querbeet“, wichtig ist es aber darauf zu achten, dass man ähnliche Werte hat.

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Wie definieren Sie Netzwerken?

Netzwerken ist eine gemeinsame Kooperation zum beruflichen Vorteil. Netzwerken ist mehr Kunst als Wissenschaft. Man muss ein Gefühl dafür entwickeln, den Umständen entsprechend netzwerken und das Beste aus seinen Möglichkeiten machen.

Viele Menschen empfinden „Vitamin-B“ als ungerecht, weil manche schon von Haus aus Beziehungen mitbekommen. Das sollte einem aber nur Ansporn geben, noch mehr zu Netzwerken. Netzwerken ist völlig legitim, denn jeder hat etwas zu verkaufen oder möchte sein Business vorantreiben, das ist eben nur über Kontakte möglich.

Sie haben es geschafft, in einer von Männern dominierten Welt Fuß zu fassen.

Warum haben es Frauen schwerer, erfolgreich zu Netzwerken?

Männer-Netzwerke sind kulturell sehr verfestigt, sie können sich an vielen Vorbildern orientieren. Das Problem: Da tendenziell weniger Frauen an der Spitze sind, gibt es auch weniger Frauen, die sie fördern und sich für ihre Interessen einsetzen könnten. Frauen haben einen Nachteil, weil sie historisch bedingt nicht so in den Macht- und Informationskanälen integriert sind, wie Männer.

Welche Tipps haben Sie speziell für Frauen, um erfolgreich zu Netzwerken?

Frauen neigen dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen, während sich Männer gerne produzieren. Frauen haben auch öfter Angst davor, opportunistisch zu wirken und Beziehungen zu ihrem beruflichen Vorteil einzusetzen. Mein Tipp:

„Überwinden Sie Ihre innere Hürde. Es ist nicht nur völlig ok, sondern absolut notwendig zu Netzwerken. Auch wichtig: Lernen Sie, sich Ablehnungen, Niederlagen und Affronts nicht zu Herzen zu nehmen und weiterzukämpfen.“ Sandra Navidi

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Haben Sie ein Beispiel aus der Praxis?

Ein unerfreuliches Phänomen ist zum Beispiel das „Mansplaining“: Wenn Männer einer Frau leicht herablassend erklären, worum es geht, obwohl man viel qualifizierter ist und es im Zweifel besser weiß. Gibt man Gegendruck, gilt man als zickig und schwierig. Im Grunde muss man sich innerlich abhärten, die negativen Erfahrungen verarbeiten und wegstecken. Die Zukunft zählt, der Blick nach vorne.

In Ihrem MYM-Kurs sagen Sie, man solle seine eigene Marke werden. Was bedeutet das?

Ein „Brand“, also eine Marke, ist eigentlich ein moderner Begriff für den Ruf, den man hat und der heute aufgrund sozialer Medien viel sichtbarer ist als früher: Was assoziieren die Leute mit einem? Woran erinnern sie sich? Der Amazon-Gründer Jeff Bezos sagte: „Dein Ruf ist das, was die Leute sagen, wenn du nicht im Raum bist.“ Heute ist es wichtig, eine Online-Identität zu besitzen, einen „digitalen Footprint“. Wenn beim Googeln gar nichts hervor kommt, wird das schon fast verdächtig. Hat die Person ihre Identität gewechselt? Ist sie in einem Zeugenschutzprogramm? (lacht)

Besonders positive und negative Dinge bleiben Menschen in Erinnerung. Für Erfolg ist es heute wichtig, seine Marke konsistent zu entwickeln, zu kommunizieren und Fauxpas, insbesondere in jungen Jahren, zu vermeiden.

„Eine Online-Identität, mit der man vermittelt, wer man ist, ist heute wichtiger Bestandteil von Erfolg.“ – Sandra Navidi

Netzwerken ist eine Frage der Persönlichkeit, es liegt nicht jedem, sich selbst als Marke zu verkaufen – kann trotzdem jeder das Netzwerken erlernen?

Netzwerken kann erwiesenermaßen jeder lernen, je mehr Erfahrung man sammelt, desto besser wird man. Introvertierten Menschen fällt es per se schwerer, aber sie haben trotzdem ihre Stärken: Sie gehen in der Regel mit mehr Aufmerksamkeit auf die Menschen zu, bauen oft eher tiefgründige Beziehungen auf. Um eine Bindung herzustellen, sollte man sich aber schon etwas öffnen, persönlicher werden und etwas von sich preisgeben.

Kostet es Überwindung zu Netzwerken?

Üblicherweise kostet es etwas Überwindung auf Leute zuzugehen, die man noch nicht kennt. Das geht auch mir zum Teil immer noch so. Aber man kann durchaus an sich arbeiten, um die Hemmschwelle zu senken, zum Beispiel seine Kommunikationsfähigkeiten verbessern. Small-Talk wird manchmal etwas belächelt, ist aber wichtiger sozialer Kitt. Man kann mit jemandem, den man nicht kennt, auch nicht direkt in tiefgründige Gespräche eintauchen.

Wie sollte man sich beim Netzwerken präsentieren? Wie wichtig ist beispielsweise Humor?

Beim Netzwerken und der beruflichen Positionierung ist Authentizität extrem wichtig. Menschen spüren instinktiv, wenn man sich verstellt und vorgibt etwas zu sein, das man nicht ist. Das kostet im Zweifel Vertrauen. Humor entwaffnet und schafft Vertrauen. Wenn man weiß, dass man kein Witzbold ist, ist es aber besser, nichts über die Stange zu brechen.

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Geht es also darum, welchen Eindruck man bei seinem Gegenüber hinterlässt?

Auf jeden Fall, im Zeitalter des Smartphones sollte man darauf achten, nichts zu sagen oder zu tun, das einem nachher unangenehm wäre, wenn es aufgenommen würde. Es ist zwar unmöglich, sich ständig selbst zu zensieren, aber man sollte zumindest versuchen, vorsichtig zu sein.

Fällt es Ihnen leicht zu Netzwerken? Haben Sie Spaß dabei?

Es kostet Zeit und Aufwand, aber im Endeffekt ist es eine bereichernde Erfahrung. Doch auch ich muss mich zum Teil heute noch überwinden. Je mehr Übung man bekommt, desto einfacher wird es.

Nicht so hart mit sich sein, Niederlagen verkraften, sich nicht entmutigen lassen.

Genau, und ganz wichtig: Keep it positive! Gerade in beruflichen sozialen Netzwerken. Inhaltliche Kritik, sachlich vorgetragen, ist natürlich völlig in Ordnung, aber verunglimpfende Kommentare werfen nur ein negatives Licht auf Sie. Investieren Sie Ihre Zeit und Energie lieber in etwas Positives und Konstruktives, zum Beispiel, um andere zu unterstützen, auch wenn es Ihnen keine direkten Vorteile bietet. Sie investieren somit aber in eine positive Geisteshaltung, soziales Kapital, in Ihr Image und damit in Ihre Karriere.

Die junge Generation wächst im Zuge der Digitalisierung bereits mit sozialen Netzwerken auf findet Netzwerken in Zukunft nur noch online statt?

„Digitale Netzwerke sind enorm hilfreich, aber den direkten, zwischenmenschlichen Kontakt können sie nicht ersetzen.“ – Sandra Navidi

Wir haben das ureigene Bedürfnis, Beziehungen zu anderen Menschen zu knüpfen. Die Frage ist, inwieweit das in Zukunft, auch aufgrund der Corona-Pandemie, noch machbar ist. Aber direkte, persönliche Begegnungen am Arbeitsplatz oder via Geschäftsreisen werden auch zukünftig Karriere-Vorteile bieten. Wer persönlich vor Ort ist, um ein Team zu leiten, um dem Chef Arbeit abzunehmen, um Kunden zu treffen und den Vertrag abzuschließen, der hat einfach einen Vorteil, der im Zweifel ausschlaggebend ist.

Wie wichtig ist die Größe und Qualität eines Netzwerkes?

Die Theorie „Dunbar‘s Number“ besagt, dass unser Gehirn die kognitive Fähigkeit besitzt, Beziehungen mit bis zu 150 Menschen zu unterhalten – das ist ungefähr die Größe früherer Dorfgemeinschaften. Die Kunst des Netzwerkens ist es, tiefe und belastbare Beziehungen aufzubauen. Da sind die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben manchmal fließend.

Tiefe Beziehungen sind wegen ihrer Belastbarkeit wertvoll, aber die Wichtigkeit oberflächlicher Beziehungen sollte nicht unterschätzt werden. Die Forschung hat gezeigt, dass Leute neue Jobs häufig über oberflächliche Kontakte finden.

Wir tendieren dazu, uns mit Leuten zu umgeben, die uns ähnlich sind, einen ähnlichen Hintergrund haben, die gleichen Leute kennen und Zugang zu ähnlichen Informationen haben. Um nicht in einer „Echokammer“ zu stagnieren, sollte man versuchen, sich fachübergreifend mit vielen verschiedenen Menschen aus allen Lebensbereichen zu umgeben.

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Sie stehen in der Öffentlichkeit wie schafft man es als „Normalbürger“, sein Netzwerk organisch zu vergrößern?

Die Dynamiken des Netzwerkens sind überall die gleichen, egal auf welcher Ebene. Welche Veranstaltungen kann ich besuchen, wo kann ich mich wie nützlich machen? Kann ich ein Zusammentreffen organisieren, auf einem Event einen Vortrag halten, mich ehrenamtlich betätigen? Gerade in diesen Zeiten können auch Onlineplattformen ein guter und hilfreicher Ausgangspunkt sein.

Wie wichtig ist Ihnen Weiterbildung?

Weiterbildung ist eins der wichtigsten Dinge überhaupt, vor allem weil sich durch Technologie, Digitalisierung und künstliche Intelligenz unser Leben so schnell weiterentwickelt. Weiterbildung ist wichtig, um seine Antennen zu schärfen, ein Gefühl für Trends zu bekommen und sich für die Zukunft zu wappnen. Weiterbildung birgt zudem die Chance, eigene Talente und neue Interessengebiete zu entdecken.

Ich selbst habe viele formelle Qualifikationen erlangt, auch als es gar nicht mehr notwendig war. Ich bin sehr neugierig und lese unzählige Bücher, auch als Research für meine eigenen. Allein in meiner Kindle-Bibliothek befinden sich 1,367 Bücher.

Lernt man in Ihrem Meet Your Master Kurs, wie Sie zu Netzwerken?

Ich habe mich bemüht, mein Wissen möglichst anschaulich und praxisnah weiterzugeben. Dabei erzähle ich viel Persönliches und berichte von Dingen, die sich hinter den Kulissen abgespielt haben. Über die Vermittlung theoretischen Wissens hinaus hoffe ich, dass sich die Teilnehmer durch den Kurs inspiriert, motiviert und bestärkt fühlen:

Wenn die Sandra das kann, dann kann ich das auch.

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